mollicutes

Captain Emma

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 30 August, 2008

Die ersten Tage waren bereits wieder verdrängt. Burning Man überall. Himmelsexplosionen. Die nackten Menschen tollten sich im Salzsand. Nachts trugen die Befestigungsseile der Luftballons, die oben im Sternenzelt still warteten, Signalfarben, Einzelleuchten et cetera –
Manchmal stieg, einer weiteren Explosion folgend, ein schwarzer Rauchring empor, aber die meiste Zeit blieb es still und laut zugleich, eine sonderbare Mischung. Dem Sturm, der am ersten Tag alles verdeckte, folgte soweit kein zweiter, die Zelte standen ruhig und die Heissluft wärmte die Reifen unseres 40 Fuss Automobils. Ein Fahrrad hatte bereits vor Tagen ein Loch im vorderen Reifen, täglich suchten wir die Reparaturstation auf, vergeblich. Musik erfüllte Raum und Luft. Immer mehr. In unserem Schaufenster, diesem Breitbandcockpit, hing ein Davidstern, wir waren sesshaft geworden im Israelcamp, dieser Stern drehte sich unaufhörlich, in der Sonne glitzernd. Die Israelis bevorzugten harte Beats und Bier. Manchmal Joints und LSD. Sie waren alle im Militär. Irgendwann nach Jahren auf der Wanderschaft, endlich, hatten sie diesen Ort gefunden. Hier in der Black Rock Wüste. Unter immer-gleichem-Himmel, dort wo Amerika noch Amerika sein darf. Wir versteckten uns. Hier gibt es keine Unterschiede, sagten wir uns. Aber die Trennlinien scheuten nichts, markant schienen sie immer klarer. Nachbarn winkten uns. Brady, der nicht weit her kam, verschenkte einen Bloody Mary mit frischem Merettich. In der Wüste spielten die Israelis Billiard. Manchmal warfen sie Boulekugeln. Oben flog ein motorisiertes Spielflugzeug vorbei. Wir sind einander anders. Der Motor stockte. Wir sind verschieden. Täglich, manchmal mehrmals. Das Flugzeug sank. Die Infrastruktur, das nahe Leben, es mischte sich allgemein darunter, wie die Chilischoten, klein gehackt und angebraten, die wir unter unser Brot mischten. Es lag schwer im Magen. Wir hatten viel zu viel Essen. Aber auch dass sei eine Einstellung, sagte jemand, mit einem feuchten Augurenlächeln ins Gesicht geschnitten. Auch die Erinnerung an die erste Nacht. An den weiten Ausflug, obwohl nur im Kreis, also ums Eck, im Gedächtnis, wie ein schwere Last, die genau unserem Gefühl entsprach, nein, falsch, die unser Gefühl erzeugte. Die Sterne im Himmel mit einander verband, als wären es Punkte in einem Malheft. Nun, inzwischen waren wir voraus gegangen, Hand in Hand, manchmal auch alleine, verunsichert, ziemlich nahe, wie gesagt, doch dann auch zerbrechlich anders, also die zeitgleiche Verschmelzung menschlicher Nähe und einem absoluten Fremdgefühl, man berührte sich mit der Vorsicht eines Pinselstrichs. Schlussendlich wurde bloss angedeutet, eine Ahnung vorausgeschickt, nichts mehr wirklich ausgesprochen, aber gerade dadurch viel mehr als je zuvor gesagt.
Unser Baumeister hatte sich investiert, die Kraft ausgeschöpft, unter der Knallsonne –
Das Ziel, ein 11 meter Turm, aus Holzverstrebungen, ein Leuchtturm, ohne Licht, also nicht absichtlich, sondern aus zwingenden Gründen. Im Funkloch. Die Schuhe am Eingang ausgezogen, das Eis bei den Nachbarn gekauft, das strahlende Gesicht beliebig aufgesteckt. Wir besuchten die grösste Party der Welt. Ohne ein schlechtes Gewissen. Mit Einsamkeit und Gemeinschaftsgefühl, beieinander.
Hier in der Wüste, sagten wir, gerade als wieder ein lauter Technoklang über die Ödnis zog, die Haut entblösste, die Füsse waren aufgestützt. Wir wünschten uns Filzband, dass wir um unsere Knöchel binden wollten. Das Bodypainting wurde verschmiert. Die Sonnenbrillen ausgetauscht. An den Hüften wirkte der Schweiss wie ein Klebstoff, die Textilien hafteten, wie die Eindrücke unter der Stirn. Der liebe Freund hatte gesagt, bevor wir abgereist waren, also dieses Unternehmen, mitten in der Wüste, mit 50′000 weiteren Menschen, es würde uns verändern. Wir hatten unsere Haut vernachlässigt. Die Sonne hatte diese Arbeit übernommen.

Dis moi qu’est-ce que tu penses de ma vie

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 18 August, 2008

Drama. Augen. Aufgerissen. 
„Unter der Autobahnbrücke?“
„Ja, natürlich.“
„Wer hat denn da gespielt?“
„Pink Floyd.“
„Spinnst Du?“
„Natürlich eine Coverband.“
„Ach so.“
„Ich bin doch nicht dumm.“
Er stand direkt hinter ihm. Die Europabrücke verschwand unter den Rädern. Das Klirren der leeren Whiskeyflaschen, der Klang auf dem Asphalt. Kurz nachdem die Türen, geschlossen, vor der Party, den Eintritt verwehrten, trotz Karl Lagerfeld, zeigte sich der Vollmond, begleitet von einer einzelnen Spasswolke. Auf dem Tourbus stand etwas von Rock n’ Roll, aber auch das war eine Lüge. Sie stieg, erst mit einem Bein, in den Rock. Besondere Umstandsmode. Die Gedanken leerten sich aus. J&B. Die ganze Nacht. Kein Konzert. Keine Party. Bloss die Zukunft, die übrig blieb, später dann. Die hohen Schuhe klickten ins Kopfsteinpflaster.

 

Valentin, die Kanone geladen, Carron. Die Arme zur Umarmung, wie in Kampfstellung, auseinander gebreitet. Die Persernacht verpasst. Anekdoten mit ekligen Zutaten. Irisierendes Licht. 1000 Mal gespiegelt. Und erst zuletzt aus der richtigen Perspektive, also der falschen, gesehen.

Prima Luce

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 16 August, 2008

Mit einem Lächeln im Gesicht
Dem Flaschenglas in der Hand
Rezitierte er Texte

Das Sommerlaub wirbelte hoch
Sein Auge zuckte

Erinnerungen wie Steine im Wasser
Wohlgeformt und ohne Gewicht

Entzug der Klage
Abschied vom Leid

Lose Kunst
Kind
Karriere
Kokain

Schock und Blitz
Liebe ist allein

Heimweh, sagte er
Aber nicht für immer
Das Sternbild zeichnend
Schloss er das Buch
Die Berührung
Ohne Genuss
Ausgekostet

Hornbrillenromantik

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 14 August, 2008

Auf dem Perron noch still geblieben, schweigsam. Nebeneinander gegangen. Die Taschen geschultert. Im Zug dann gegenüber gesetzt, bis der eine eingeschlafen ist. Hemd aus. Schwamm. Wunde darunter. Schlamm. Ausgeblutet. Seit fünf Jahren. Nichts passiert. Die Eltern, die können auch gar nichts. Wunder zu geklebt. Hemd an. 
Seitdem sickert Sand. 

„Geld“, sagt der Eine. Schundblatt. Ein Augenblick. Zwei Mal. Dann noch für umsonst. Vor zwei Tagen, Strassendrama. Auf einmal, im Auto, hinten auf dem Rücksitz, zwischen dem Anderen und dem Mädchen, schreit der schwarze Mann, schwarz, schwarz, schwarz. Negerleben. Nichts verstehen.  Das Geld bleibt aus. Nur für die Brüder, für niemanden sonst macht er das. Negerleben. Es wird so weitergehen. Tränen kullern über die schwarzen Backen. Im Zug ist es stickig. Die Sonne wird stärker. Heiss. Die Kaltluft ist verdrängt. Dann ziehen Häuserblocks vorbei, laue Äste in tiefen Bäumen. Lichterloh. Hosen runter. Im Spital. Krankentrakt. Starr geradeaus. Das schlechte Gewissen ist wie ein Nierenstein. Schmerzhaft und selbst verschuldet. 

„Was machst Du denn?“

„Lose Frage.“

„Sag schon.“

„Das weißt Du doch. Dasselbe.“

„Und gerade jetzt?“

„Immer noch.“

Farbwechsel. Plötzlich nicht nur hell, sondern auch weiss, weiss, weiss. Das Hemd befleckt. Inzwischen. Mayonnaise drauf, angeworfen. Feuer gesucht. Nicht gefunden. Endstation umgangen, vorzeitig ausgestiegen. 

Naturwissenschaften

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 1 August, 2008