mollicutes

Nah oder Face the Bush

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 26 September, 2009

Gerne würde ich Dir erklären, was ich meine, doch leider fehlen mir gerade die Worte, deshalb beginne ich, wie wir Menschen das gerne tun, mit einer Beschreibung des Naheliegenden; wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich eine kleine Gruppe an Schafen auf einer Wiese, hinter einem weiten englischen Garten, hinter einem funkmastturmhohen Nadelbaum, die Schafe liegen, eins steht, man könnte fast gemütlich dazu sagen, wie es aus der Ferne aussieht, obwohl diese Schafe überhaupt nicht wissen, was gemütlich ist, und sein soll, oder könnte; mein lieber Freund, ich muss Dir sagen, ich weiß es auch nicht, ich bin ratlos, bleibe sprachlos.

Wir sind seit Tagen in diesem Haus, alleine, auf dem Land, wie man sagt, gegenteilig zur Stadt, nehme ich an; alles ist weich gezeichnet, pastellfarben, und riecht nach Lavendel; obwohl ich nicht genau weiß, keine Ahnung habe, weshalb es so ist, oder wahrscheinlich weil ich es nicht hinterfragen möchte, mich nicht traue, oder vielleicht weil ich es genau weiß und es eigentlich nur ausblenden möchte, oder muss, muss ich sagen, dass es mir äußerst gut gefällt: das Hiersein, auf dem Land, in diesem Haus, neben den Schafen, und mit all den Pastellfarben und dem Lavendel.

Schon wieder fehlen mir die Worte, und deshalb folgt jetzt das Naheliegende, und zwar nicht eine Beschreibung davon, sondern eine Abschweifung, eine bedeutungslose Meditation über das Vergangene, ja meine Vergangenheit, also kann ich sagen: die Vergangenheit, ich erzähle, was ich erlebt, gesehen, und gedacht habe, ich lasse Dich teilhaben, damit meine Erfahrung zu Teilen zu Deiner wird, damit ich mich vielleicht nicht mehr so alleine fühle, damit ich Dir das Gefühl gebe Dir nichts zu verheimlichen, obwohl ich das naturgemäß bestimmt tue, schon aus dem einfachen Grund, das es wortwörtlich nervtötend wäre, würde ich kein Detail auslassen, in diesem Sinne, als solches bezeichnet, wird mein Leben ein Teil, im Verhältnis zwar vernachlässigbar, aber doch ein Teil deines Lebens, und man sagt auch, es sind die kleinen Dinge, die es ausmachen, obwohl das natürlich eine liebe Lüge ist.

Gestern Abend wurde viel zu viel Tequila getrunken, das heißt in einer Menge, die anderen Menschen giftig scheint, und die Babies umbringen würde…wieder einmal, wieder einmal so viel, und wieder einmal überhaupt, und heute bin ich wieder einmal in dieser Laune, man glaubt sich zufrieden, also ich bin zufrieden, obwohl ich es im großen Bild bestimmt nicht bin, und schließt einen Frieden mit der Welt, mit seinem Leben, glaubt man, mit den Sorgen kommt man ins Reinen, erklärt sich, was man annimmt sich erklären zu müssen, und bei mir sieht das meistens sehr vergnügt und selbstzufrieden aus; heute beispielsweise sagte ich mir, es bringt doch alles nichts, es ist alles egal, und mit Allem meine ich mein Leben, mein Schaffen, oder Nichtschaffen, und gerade, und dieser Gedanke ist eben in seiner Unschuld so entzückend, wenn man in den Himmel schaut, das funktioniert auch nüchtern, und oben, dort wo unsere Ahnen das Ende unseres Daseins vermuteten, das sogenannte Zelt, der Himmel, und genau dort oben sieht man die Sterne leuchten, und weiß, weil man es irgendwann mal so gelernt hat, dass diese Sterne egal, ob sie in diesem Moment überhaupt noch glühen, oder ob das was wir sehen nur einen Erinnerung von etwas ist, das einmal geglüht hat, wir wissen also, diese Sterne bedeuten vor allem eins: nach diesem Haus, den Schafen, dem englischen Garten und Königreich, dem Wasser drum herum mit all seinen Bewohnern, vom Plankton zum Thunfisch, dem ganzen Planeten, dem Lavendel und den Pastellfarben, nach alldem, also dahinter, oder drüber, oder überhaupt, und das wissen wir, mit einer aufgeklärten Gewissheit, die uns sagt: da kommt noch so viel mehr, in jedem einzelnen Licht jedes einzelnen Sterns, fallen unendlich, das ist wieder wortwörtlich gemeint, unendlich viele Schatten, und vielleicht ähnliches Leben, fällt und steht, oder ein komplett anderes Leben, unserer gedanklichen Griffigkeit unfassbar, wie das ein nasses Seifenstück für einen Bären ist; um es nochmals auf den Punkt zu bringen: hinter, über, neben uns, außerhalb von uns, gibt es so viel, das wir, und das kann ich in meiner momentanen Selbstzufriedenheit so salopp ausdrücken, das wir, unser Planet, unser Schaffen, und das Einzelne, im Einzelnen an sich, also bei jedem einzelnen Menschen, noch um Welten verstärkt, das also unser Dasein im Verhältnis zum ganzen Rest im Universum vernachlässigbar ist, also egal.

Mein lieber Freund, ich muss zugeben, diese Erkenntnis bedrückt mich überhaupt nicht, nicht nur weil ich weiß, das ich sie morgen über den, umgangssprachlich gesagt, Haufen werfen werde, und das mich morgen wieder Sorgen, Ängste und Ambitionen (oder deren Fehlen) plagen werden, nein, diese Erkenntnis vergnügt mich, weil sie mich zu einer weiteren führt, und zwar: weil alles egal ist, glaube ich zu meinen, das alles ganz wichtig ist, an diesen Umkehrschluss glaube ich, so wie früher die Menschen vorgaben an das Amen in der Kirche zu glauben, und gerade weil nichts eine Rolle spielt, und es wirklich egal ist, ob und was ich tue, gerade deshalb schenkt mir das Universum, und das ist mein romantischer Zug, ja das ganze Universum mit seinen lebenden und toten Sternen schenkt mir diesen, und jeden anderen Moment, jeder Moment ist wichtig, weil ich ihn dazu erkläre, und das kann ich nur tun, weil ich mit Gewissheit weiß, dass er es nicht ist; und natürlich hilft der Tequilamit seiner dunklen Kraft, und natürlich auch nicht, und natürlich muss ich zugeben, dass ich die Momente mit dem Tequila vielleicht sogar ein bisschen mehr, als die ohne, zu schätzen weiss.

Wenn ich jetzt aus dem Fenster sehe, sehe ich, dass die Schafe weitergezogen, und die Pastellfarben an Stellen ausgebleicht sind.

Vom Nachteil, geboren zu sein

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 21 September, 2009

Die Freude ist ein Licht, das sich unversiegbar selber verzehrt: es ist die Sonne in ihrem Beginn.

– Cioran

Over are the days that the compass made your hair.

– Sunset Rubdown

Wolfsmilch 2

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 17 September, 2009

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„Leute, die nach Rezept kochen, sind mir suspekt,“ sagte der Unbekannte, als hätte er ihn nicht gehört.
„Und wer ist Ihnen nicht suspekt?“ fragte Morini.
„Leute, die essen, wenn sie Hunger haben, vermutlich,“ sagte der Unbekannte.

– Roberto Bolaño, 2666

Unfixed

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 6 September, 2009

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Tote Tropen

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 3 September, 2009

Niemand begeht einen Geburtstag,
oder auch Weihnachten, gänzlich vergessen,
Feiertage, Kuchen und Kerzen
Es klingelte lautlos, die Tür vibrierte

Man war schon sichtlich verabredet
Obwohl herum gestanden wurde,
Mitten im Regen,
Unter Arkaden,
Hinterm Orient,
Tropfen
Tote
Tropen

L’Arcadie

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 3 September, 2009

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Farben gestochen, wie
Nähte in einem Dornenkranz

Jemand hatte einen Regenbogen
In den Himmel tätowiert

Streitschrift

Veröffentlicht in Uncategorized von mollicutes am 3 September, 2009

Haeckel_Mycetozoa
Kinder, sie spielten Dinosaurier
Als würden sie aussterben